Aktuell

Veranstaltungsrückblicke


Grenzüberschreitendes Textilland - wir halten die Fäden in der Hand

In der Zeit vom Mai 2016 bis zum März 2017 gab es ein Textil-Projekt mit dem Ziel, Gemeinsames der Länder Tschechien und Deutschland zu entdecken, Vergangenes neu zu beleuchten, es zu bewahren bzw. es erneut in das Bewusstsein der Menschen beiderseits der Grenze zu rufen.
Drei sehr unterschiedliche Projekte halfen dabei. Sie wurden gefördert durch:
 
Die Ausstellung zur textilen Geschichte Seifhennersdorfs und Varnsdorfs,
konkret zu ausgewählten textilen Persönlichkeiten fand auf beiden Seiten reges öffentliches Interesse und beantwortete die von uns aufgeworfenen Fragen zu Risiken im unternehmerischen Denken und Tun und sozialem Engagement für das Gemeinwohl der Gemeinden und in der eigenen Firma. Die Ausstellung wurde in der Stadtbibliothek Varnsdorf und danach im Rathaus Seifhennersdorf gezeigt. Ende Mai 2017 wird die Ausstellung als Leihgabe in der Firma Cord&Velveton Leutersdorf, welche auch ein Werk in Seifhennersdorf betreibt, gezeigt. Diese Form der Zusammenarbeit und der fachlichen Begleitung unseres Projektes vonseiten der Textilindustrie ist eine sehr ergebnisorientierte und fruchtbringende Komponente für alle Beteiligten.

Die Textilexkursion „Auf den Spuren der Bandweberei“,
wurde langfristig vorbereitet und organisiert sowohl auf deutscher und tschechischer Seite.
Die Bandweberei in Villemov wurde bei laufender Produktion besucht und die Führungen fanden großen Anklang. Das Technische Museum der Bandweberei in Großröhrsdorf war dann eine gelungen Ergänzung zur Betriebsbesichtigung und alle TN konnten sich über diese Form der Weberei und die Vielfalt der Produkte ausreichend informieren. Bei der Durchführung der Exkursion wurde auf die paritätische Anzahl der TN für die deutsche und tschechische Seite geachtet.

Zum Kinderprojekt „Wie der Mensch zu seinen Stoffen kam“,
fanden an zwei Tagen im März 2017 deutsch-tschechische Kinderbegegnungen statt. Sie verschafften den Kindern einen umfangreichen Einblick in unsere gemeinsame textile Vergangenheit und Gegenwart. Bei einem ersten Treffen in der Bibliothek in Varnsdorf waren die Kinder noch sehr zurückhaltend. Ein lustiges Begegnungsspiel half, Hürden und Scheu zu überwinden. Danach wurde in gemischten Arbeitsgruppen Textiles bedruckt, bemalt, bestickt und geflochten. Die zweite Begegnung in Seifhennersdorf war schon sehr viel entspannter. Auch hier war ein lustiges Begrüßungsspiel und ein wunderbar hergerichtetes Frühstück der Beginn des Tages. Sprachkenntnisse wurden abgefragt. Danach ging es in vier gemischt deutsch-tschechischen Arbeitsgruppen zum Spinnen, Weben, Wäschewaschen und Wäscherollen. Sehr lustig wurde es dann beim Stricken mit Fingern. Alle konnten sich ihre Produkte als Erinnerung mit nach Hause nehmen. Bei einer herzlichen Verabschiedung wurde der Wunsch geäußert, eine weitere Begegnung im kommenden Jahr zu planen

 
 

Gemeinsam auf der Suche nach Textilem

15 tschechische und 19 deutsche Teilnehmer trafen sich Anfang Dezember in der Windmühle in Seifhennersdorf. Eingeladen durch den Traditionshof Bulnheim e.V., gefördert durch die Euroregion Neisse e.V. sowie die Europäische Union, machten sie sich gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Textilland Oberlausitz auf, Spuren von textilen Traditionen und einer textilen Gegenwart zu entdecken. Was sollte das sein? Haben die Oberlausitzer und die Nordböhmen etwas Gemeinsames? Sie wollten es herausfinden und alles begann mit einer Powerpoint zur textilen Vergangenheit dieser Region.

Ca. 300 Jahre war die Textilindustrie prägend für unsere gemeinsame bergige Gegend. Die Menschen lebten vom Flachsanbau, vom Spinnen, Weben und der weiteren Veredlung. Damaste, Leinen und auch Samtcord wurden hergestellt. Ihr Einkommen war spärlich. Das Geschaffene aber konnte sich sehen lassen. Es wurde an Königshäuser und in viele fremde Länder verkauft. In einem Besuch im Damast- und Frottiermuseum in Großschönau konnten sich die Teilnehmer davon überzeugen.

Ein Höhepunkt dieser Tage war der Besuch eines modernen Industriebetriebes, der Strickerei Cord und Velveton in Seifhennersdorf. Hier werden mit modernsten Maschinen Strickstoffe hergestellt, die ebenfalls in viele verschiedene Länder Europas geliefert werden. Die Teilnehmer erfuhren vieles über das Unternehmen und zu den Arbeitsbedingungen. Ein Unternehmen mit Zukunft, das gerade dabei ist, sich erneut zu erweitern.

In einem Nachmittag- und Abendkurs konnten sich die Teilnehmer mit dem alten Handwerk des Spinnens befassen. Mit der Handspindel, und das war vielen Teilnehmern neu, sowie dem Spinnrad probierte jeder einen möglichst gleichmäßigen Faden zu schaffen. Beachtliches kam dabei heraus und sicherlich wird mancher diese Lernstunden als einen Anfang für sich betrachten.

Die Teilnehmer beiderseits der Grenze waren begeistert von dem, was sie gesehen und erlebt haben. Begeister waren sie auch von Begegnungszentrum und den dort herrschenden guten Arbeits- und Unterbringungsmöglichkeiten. Gemeinsame Wurzeln wurden entdeckt. Vorhandenes Wissen wurde ausgetauscht und weitergegeben. Längst vergessen Geglaubtes konnte neu ausprobiert werden. Sie alle hoffen, dass die fein gesponnen Fäden der Gemeinsamkeit fest und dauerhaft bleiben.
 
 

Gemeinsames kulturelles Erbe – UMGEBINDEHAUS

Anfang Dezember 2015 fand in unserem Haus ein dreitägiges grenzüberschreitendes Seminar statt, das sich mit dem Thema Umgebindehaus befasste. Gedacht war es für Interessierte, die in der Region Böhmen und der Oberlausitz leben und am Erhalt und der Pflege dieser Häuser Anteil nehmen. Geschichtliches und Aktuelles zum Thema sowie eine Exkursion, ein Vortrag, ein Gespräch mit Experten und eine Powerpoint standen auf dem Programm. Die Abende waren gesellig und befassten sich, wie kann es in der Weihnachtszeit anders sein, mit den Weihnachtsbräuchen in unserer deutsch – tschechischen Grenzregion.
Wir besuchten das „Schunkelhaus“, ein kleines und sehr originell eingerichtetes Häuschen. Hier konnte man etwas vom Leben der Oberlausitzer erfahren. Die Teilnehmer wurden auch auf die unterschiedlichen Haustypen sowie interessante Details durch eine fachkundige Führung aufmerksam gemacht.

Das Seminar wurde gefördert durch den: Deutsch-Tschechischen-Zukunftsfonds

 
 

"Wie zu Urgroßmutters Zeiten" feierte die Windmühle Seifhennersdorf ihr 15. Jubiläum

Ein Kleinod in der Oberlausitz: Ein hochgelegener Ort mit Blick auf das Oberlausitzer Bergland - das ist die Windmühle Seifhennersdorf e.V. - eine Bildungs- und Begegnungsstätte inmitten herrlicher Natur.
Am 1.Mai wurde hier zum 15.Jubiläum dieses Zentrums eingeladen. Das Wetter meinte es an diesem Tag besonders gut mit den Initiatoren und all den fleißigen Aktiven und Helfern.
So spielte sich der größte Teil des Programms nach einem festlichen Empfang rund um die Windmühle im Freien ab. Mit vielen Ideen hatte man die Gäste zu einem Tag aus dem “Leben wie zu Urgroßmutters Zeiten” eingeladen. Und was es da nicht alles zu erfahren, erleben und bestaunen gab. Mit welchen Mühen unsere Altvorderen Wäsche waschen mussten, wie gebuttert wurde oder wie man aus einem Bündel geernteter Stängel mit einfachsten Hilfsmitteln Leinenfasern gewann, die anschließend versponnen wurden.
Viele Gewerke zeigten ihr Können. Ob Klöppeln, Sticken oder Patchworken- immer war das Interesse der zahlreichen Besucher groß. Doch nicht nur Zuschauen war angesagt, auch die eigene Kreativität war gefragt. So konnte man einen Linolschnitt gestalten, ein Kunstwerk aus Ton anfertigen oder sogar ein Aquarellbild malen. Viel Anklang fand auch bei den Kindern das Basteln eines Insektenhotels, das man anschließend ebenfalls nach Hause mitnehmen konnte. Ob Videofilm, Quiz mit Preisen , Kunstausstellung oder Holzschnitzerei- jeder Besucher konnte sicherlich etwas für ihn Besonderes an diesem schönen Tag entdecken.
Verführerischer Duft von frisch gebackenen Waffeln lockte und die in Oberlausitzer Tracht gekleideten Marktfrauen und -Männer boten Kulinarisches für den Gaumen an. Typische Oberlausitzer Gerichte, wie Kartoffeln mit Quark oder Fettschnitten von selbstgebackenem Brot, fehlten ebenfalls nicht.
Am Nachmittag erfreuten sowohl der Seifhennersdorfer Posaunenchor als auch ein Drehorgelspieler und eine tschechische Kapelle die froh gelaunten Gäste bei Kaffee und Kuchen oder einer Bratwurst und Bier.
Mit viel Beifall wurden die Kinder der Seifhennersdorfer Grundschule bedacht, die das lustige Stück “Des Kaisers neue Kleider” auf der Buchenwiese aufführten.
Nicht alles Gebotene kann hier genannt werden, doch eines ist sicher- das 15-jährige Windmühl- Jubiläum war ein gelungenes Fest, das von Jung und Alt gut angenommen wurde.
Es bleibt uns nur übrig, dem Verein als Veranstalter und den zahlreichen Helfern ein herzliches Dankeschön zu sagen.
Macht weiter so zur Freude und Erholung unserer oberlausitzer Menschen. Was hier in 15 Jahren Arbeit mit Herz und Hand geschaffen wurde, findet nicht so schnell etwas Vergleichbares. Dieses Bildungs- und Begegnungszentrum in der Oberlausitz ist schon weit über seine Grenzen hinaus bekannt und wird gern auch von Gästen aus dem benachbarten Ausland und aus anderen Bundesländern besucht.
Kennen Sie schon dieses Kleinod mitten in unserer schönen Oberlausitz?

Sabine und Volkmar Schirmer

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